Die Antwort auf „Wir haben die Zeichnung geschickt, wann kommt das Angebot?“ hängt meist von der gesendeten Datei ab. Eine als Screenshot eingehende Zeichnung, ein 3D-Modell ohne Maße oder eine PDF mit fehlenden Toleranzen verlängert den Angebotsprozess um Tage und erhöht das Risiko einer falschen Kalkulation. Dieser Leitfaden erklärt, welches Dateiformat bei CNC-Dreh- und Frästeilen welche Aufgabe hat und welches Paket Sie Ihrem Lieferanten idealerweise senden. Er kann als ausführliche Fassung des Abschnitts „technische Dateien“ unseres RFQ-Leitfadens gelesen werden.

Formate und ihre Rolle in der CNC-Fertigung

FormatInhaltEinsatz in der CNC-FertigungVorteilNachteil
STEP (.stp/.step)3D-Volumenmodell, neutrales FormatCAM-Programmierung, Volumen-/Spanberechnung, VorrichtungskonstruktionVon allen CAD/CAM-Systemen lesbar; verlustfreie GeometrieMeist keine Toleranz-, Oberflächen- und Werkstoffangaben (außer AP242 PMI)
PDF-Zeichnung2D-Ansichten, Maße, Toleranzen, Oberfläche, Werkstoff, VermerkeAngebot, Messung, Erstmusterprüfung, VertragsreferenzVerbindliches Dokument; für alle lesbarGeometrie muss neu modelliert werden; fehlende Maße bedeuten Unklarheit
DXF/DWG2D-VektorzeichnungSchneidkonturen für Laser/Plasma/Wasserstrahl, 2D-FräskonturenDirekt an Schneidmaschinen übertragbarFür 3D-Teile unzureichend; Dicke und Toleranz müssen separat mitgeteilt werden
IGES (.igs)3D-Flächen/Volumen, älteres neutrales FormatAlternative, wenn kein STEP vorliegtBreite UnterstützungFlächenfehler und nicht geschlossene Körper häufig; STEP wird bevorzugt
Parasolid (.x_t/.x_b)3D-VolumenkernformatZwischen SolidWorks/NX/Solid EdgeSehr genaue GeometrieNicht jedes CAM kann es öffnen
Natives CAD (.sldprt, .prt, .ipt, .catpart)Parametrisches ModellLieferanten mit derselben SoftwareVollständige Information, Feature-BaumVersionsinkompatibilität; Risiko der Know-how-Weitergabe
3MF/STLDreiecksnetz3D-Druck—Für CNC ungeeignet: keine Toleranzen, keine echten Flächen

Das ideale Paket: STEP + PDF

Für die CNC-Lohnfertigung ist das Standard- und zugleich ausreichende Paket ein Paar:

  1. STEP-Datei (AP214 oder AP242): das 3D-Volumenmodell des Fertigteils; daraus leitet der Lieferant CAM-Programm, Rohteilmaß und Spannstrategie ab.
  2. PDF-Zeichnung: alle Funktionsmaße und Toleranzen, die Allgemeintoleranznorm (zum Beispiel ISO 2768-mK), Oberflächenrauheit, Werkstoffgüte und -norm, Wärmebehandlung/Beschichtung, Gewindeangaben, Kantenbruch-Vermerk, Revisionsnummer und Teilebezeichnung.

Die PDF ist die technische Anlage zum Vertrag und die Referenz für das Messprotokoll; bei Widersprüchen zwischen STEP und PDF gilt in der Branche die Regel Zeichnung ist maßgebend. Wenn Sie dies in der Anfrage ausdrücklich festhalten, beseitigt das jede Unklarheit.

Was ist in welchem Fall zu ergänzen?

  • Blech- und Plattenkonturen: zusätzlich zu STEP + PDF eine DXF im Maßstab 1:1 (mit Angabe von Dicke und Werkstoff).
  • Modelle mit PMI: STEP AP242 trägt die Toleranzen am Modell (MBD – Model Based Definition). Wenn Sie es nutzen, weisen Sie darauf hin; legen Sie aber trotzdem die PDF-Zeichnung bei, da nicht alle Lieferanten PMI lesen können.
  • Montageteile: das Modell des Gegenstücks (als Referenz) erleichtert das Verständnis von Passung und Funktion; wertvoll für DFM-Empfehlungen.
  • Reverse Engineering: ohne Zeichnung ein physisches Muster + Fotos + kritische Maße; der Lieferant erstellt das Modell und legt es Ihnen zur Freigabe vor.
  • Schneiden und Zerspanen kombiniert: bei lasergeschnittenen + CNC-gefrästen Teilen werden DXF-Schneidkontur und STEP-Endgeometrie zusammen gesendet.

Häufige Fehler

  • Einheitenverwechslung: STEP-Dateien tragen die Einheit, doch manche Exporte führen zu Zoll/mm-Verwechslungen. Die Zeichnung sollte Einheit und Maßstab nennen; bei Zeichnungen aus den USA angeben, dass sie in Zoll sind.
  • Revisionsabweichung: STEP Rev C, PDF Rev B. Die Revision gehört in den Dateinamen: 12345-C_flansch.step, 12345-C_flansch.pdf.
  • PDF ohne Maße: eine Zeichnung, die nur eine 3D-Ansicht und den Vermerk „gemäß STEP“ enthält, definiert keine Toleranzen; fehlt selbst die Allgemeintoleranznorm, sind Preis und Messung unbestimmt.
  • Screenshot oder Foto: ein Angebot ist möglich, aber nicht verbindlich; vor der ersten Bestellung wird eine Zeichnung verlangt.
  • Unklarheit vor/nach Beschichtung: bei Anodisation oder Beschichtung angeben, in welchem Zustand die Toleranz gilt.
  • Widerspruch zwischen Modell und Zeichnung: R2 im Modell, R3 auf der Zeichnung. Mit der Regel „Zeichnung ist maßgebend“ ist das Problem gelöst; ohne sie steht die Fertigung und wartet auf Rückfrage.
  • Passwortgeschützte oder bearbeitungsgesperrte PDF: erschwert Stempelzeichnung und Vorbereitung des Messprotokolls; Druck-/Messberechtigung freigeben.

Dateisicherheit und Weitergabe

Technische Zeichnungen enthalten Know-how. Wer statt der nativen CAD-Datei eine STEP sendet, gibt Feature-Baum und Konstruktionslogik nicht weiter; vor Unterzeichnung einer Geheimhaltungsvereinbarung nur die für das Angebot nötigen Dateien zu übermitteln, ist gängige Praxis. Dateien per sicherem Transfer oder über das Angebotsformular des Lieferanten statt als E-Mail-Anhang zu senden, verringert Versionsverwirrung. Das Angebotsformular von Tornelle nimmt STEP-, DXF- und PDF-Dateien direkt an.

Was passiert auf der Lieferantenseite?

Ein Lohnfertiger, der ein STEP + PDF-Paket erhält, macht Folgendes: Er importiert das Modell ins CAM, legt das Rohteilmaß fest, erstellt Operations- und Spannplan, berechnet die Zykluszeit, überführt Toleranzen und Oberflächen der Zeichnung in einen Prüfplan, holt Werkstoff- und Beschichtungspreise ein und notiert gegebenenfalls DFM-Empfehlungen. Mit vollständigen Dateien dauert dieser Prozess 1–2 Tage, mit unvollständigen Dateien kann er durch Rückfrageschleifen eine Woche dauern. In unserem DFM-Beitrag finden Sie die typischen Empfehlungen aus dieser Phase.

Häufig gestellte Fragen

Bekomme ich ein Angebot, wenn ich nur eine STEP-Datei sende?

Sie erhalten ein vorläufiges Angebot, doch Toleranz, Oberfläche und Werkstoff werden auf Basis von Annahmen kalkuliert; für ein verbindliches Angebot und die Fertigung ist eine PDF-Zeichnung erforderlich.

Reicht eine PDF-Zeichnung allein?

Bei einfachen Drehteilen ja; bei komplexen Frästeilen modelliert der Lieferant das Teil neu, was Zeit und Fehlerrisiko mit sich bringt. Eine STEP-Datei beschleunigt immer.

Was ist der Unterschied zwischen STEP AP203, AP214 und AP242?

AP203 trägt die Grundgeometrie, AP214 Farbe/Layer/Produktdaten, AP242 zusätzlich PMI (Toleranzen und Vermerke). Für CNC reicht AP214; bei MBD wird AP242 bevorzugt.

In welchem Maßstab muss die DXF sein?

Immer 1:1, in mm und nur mit der Schneidkontur (Maßlinien und Rahmen auf separatem Layer oder gelöscht).

Fazit

Das ideale Paket für Ihren CNC-Lieferanten ist STEP + PDF; bei Blechteilen kommt eine DXF hinzu. Sind Revision, Einheit und die Regel „Zeichnung ist maßgebend“ klar, kommt das Angebot innerhalb von 24 Stunden und die Fertigung startet ohne Rückfragen. Senden Sie Ihre Dateien über unser Angebotsformular; fehlen Angaben, teilen wir sie Ihnen in der ersten Antwort als Liste mit. Details zum Ablauf finden Sie auf unserer Seite So arbeiten wir.