Sie kennen die Vorteile, die die Türkei deutschen Unternehmen bietet; doch wie erteilen Sie in der Praxis Ihren ersten Auftrag? Dieser Artikel erläutert die Schritte zur Vergabe von CNC-Aufträgen in die Türkei anhand der Prozesslogik, an die deutsche Einkaufsabteilungen gewöhnt sind – Anfrage, Angebot, Bemusterung, Freigabe, Serie.
Schritt 1: Bereiten Sie die technischen Unterlagen vor
Ein gutes Angebot beginnt mit einer guten Dokumentation. Folgendes müssen Sie Ihrem türkischen Lieferanten übermitteln:
- 2D-Zeichnung (PDF): Diese kann auf Deutsch verfasst sein. Die allgemeine Toleranzklasse (z. B. ISO 2768-mK), kritische Maße, Oberflächenrauheit (Ra), Kantenabrundung und Angaben zu den Verzahnungen müssen vollständig angegeben sein.
- 3D-Modell (STEP): Erforderlich für die CAM-Programmierung und eine schnelle Preisermittlung.
- Werkstoff: Werkstoffnummer (z. B. 1.4404, 42CrMo4+QT, EN AW-7075 T6) und gegebenenfalls Zertifikatstyp (EN 10204 3.1).
- Oberflächenbehandlung und Wärmebehandlung: Eloxierung (E6/EV1), Zink-Nickel-Beschichtung, Einhärtungstiefe und Härtewert (z. B. 58±2 HRC).
- Stückzahl und Lieferplan: Jährliche Prognose, Losgröße, erster Liefertermin.
In unserem RFQ-Leitfaden haben wir ausführlich erläutert, wie Sie eine vollständige Angebotsanfrage erstellen.
Schritt 2: Angebote einholen und vergleichen
Exportorientierte türkische CNC-Lieferanten unterbreiten in der Regel innerhalb von 24–72 Stunden ein Angebot. Achten Sie bei einem guten Angebot auf Folgendes:
- Stückpreise nach Stückzahlstufen (z. B. 100 / 500 / 2.000 Stück);
- separate Ausweisung der Kosten für Installation und Werkzeuge;
- Materialzertifikat, Messbericht und Umfang der Verpackung;
- Lieferfrist und Incoterms (z. B. FCA Istanbul, DAP Stuttgart);
- Feedback zur Fertigungsfähigkeit (DFM) – Vorschläge zu unnötig engen Toleranzen oder schwierigen Geometrien zeugen von der technischen Kompetenz des Lieferanten.
Berücksichtigen Sie beim Preisvergleich mit Ihrem deutschen Lieferanten die Gesamtbetriebskosten (TCO), einschließlich Transport, Zollabwicklung und Zahlungsbedingungen.
Schritt 3: Klären Sie die Geschäftsbedingungen
Incoterms
Deutsche Abnehmer bevorzugen meist FCA (Free Carrier) Istanbul oder DAP (Delivered at Place). Bei FCA wickelt Ihr eigener Spediteur den Transport ab, und die Einfuhrzollanmeldung verbleibt bei Ihnen; bei DAP liefert der Lieferant das Teil an Ihr Werk, die Einfuhrumsatzsteuer wird wiederum von Ihnen entrichtet.
Zahlung
Bei Erstbestellungen sind eine Anzahlung von 30–50 % und die Begleichung des Restbetrags vor dem Versand üblich. Sobald Vertrauen aufgebaut ist, ist ein Zahlungsziel von 30–60 Tagen Standard. Auch außerhalb des SEPA-Raums dauert eine Euro-Überweisung 1–2 Werktage.
Vertrag und Vertraulichkeit
Vor der Weitergabe technischer Zeichnungen ist es üblich, eine Geheimhaltungsvereinbarung (NDA / Geheimhaltungsvereinbarung) zu unterzeichnen. Für die Serienlieferung werden eine Qualitätsvereinbarung (QSV) und ein Rahmenvertrag empfohlen.
Schritt 4: Muster und erste Musterfreigabe
Fordern Sie vor dem Übergang zur Serienfertigung 1–5 Muster oder eine kleine Pilotcharge an. Zusammen mit dem Muster:
- Messbericht (für kritische Maße kann ein CMM-Protokoll im VDA- oder PPAP-Format angefordert werden);
- Werkstoffzertifikat (3.1);
- Zertifikat zur Oberflächenbehandlung oder Messung der Beschichtungsdicke.
Sollte auf deutscher Seite ein Erstmusterprüfbericht (EMPB) oder PPAP Level 3 erwartet werden, geben Sie dies bitte bereits in der Angebotsanfrage (RFQ) an; türkische Lieferanten sind mit diesen Formaten vertraut. Die Schritte zur Qualitätssicherung haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.
Schritt 5: Zoll und Einfuhr
Der Import von Industrieprodukten aus der Türkei nach Deutschland ist im Rahmen der Zollunion mit einer A.TR-Warenverkehrsbescheinigung von Zöllen befreit. Erforderliche Dokumente:
- Handelsrechnung – mit Ihrer EORI-Nummer und dem GTIP-/HS-Code der Produkte;
- Packliste;
- A.TR-Warenverkehrsbescheinigung – vom Lieferanten beim türkischen Zoll beglaubigt;
- CMR-Frachtbrief (Straßentransport) oder AWB (Luftfrachtbrief).
Auf deutscher Seite wird die Einfuhranmeldung (ATLAS) von Ihrem Spediteur oder Zollberater eingereicht; die Einfuhrumsatzsteuer wird angegeben und als Vorsteuer verrechnet. Bei einer routinemäßigen Sendung ist die Zollabfertigung in der Regel noch am selben Tag abgeschlossen.
Schritt 6: Serienlieferung und kontinuierliche Verbesserung
Nach der Freigabe wird ein Plan für die Serienlieferung erstellt. Von deutschen Unternehmen häufig genutzte Modelle:
- Abrufauftrag: Die jährliche Stückzahl wird festgelegt, die Lieferung erfolgt durch monatliche/wöchentliche Abrufe. Der Lieferant plant Rohstoffe und Kapazitäten im Voraus, wodurch der Stückpreis sinkt.
- Konsignations- oder Sicherheitsbestand: Der Lieferant hält einen Bestand in einem Lager in der Türkei oder in Deutschland vor; die Lieferzeit von 4–6 Tagen auf dem Landweg verkürzt sich dadurch auf 1–2 Tage.
- Kanban: Wird bei Teilen mit hohen Stückzahlen mit festen Losgrößen und festen Zyklen eingesetzt.
Legen Sie zur Leistungsmessung Kennzahlen wie die Termintreuequote (OTD), PPM (Fehler pro Million Teile) und die Reaktionszeit fest und führen Sie einmal jährlich eine Lieferantenbewertung durch.
Häufige Fehler
- Sich ausschließlich auf den Stückpreis zu konzentrieren und Transport- sowie Lagerkosten außer Acht zu lassen;
- Toleranzen „für alle Fälle“ unnötig eng festlegen – dies erhöht die Kosten unnötig;
- Die Abnahmekriterien nicht schriftlich festzuhalten;
- Die jährliche Stückzahlprognose nicht mitzuteilen – der Lieferant kann dann weder Rohstoffe noch Kapazitäten planen;
- Die Musterphase zu überspringen und direkt in die Serienproduktion überzugehen.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich technische Zeichnungen auf Deutsch einreichen?
Ja. Türkische Lieferanten, die den deutschen Markt bedienen, können technische Zeichnungen und Fachbegriffe (Werkstoff, Oberfläche, Allgemeintoleranz) direkt auf Deutsch lesen.
Wie viel Zeit sollte ich für die erste Bestellung einplanen?
Rechnen Sie typischerweise mit 2–4 Wochen von der Angebotsanfrage bis zur Musterlieferung und mit 3–6 Wochen von der Musterfreigabe bis zur ersten Serienlieferung.
Wie läuft der Prozess im Falle einer Reklamation ab?
Es wird der in der Qualitätsvereinbarung festgelegte 8D-Prozess angewendet: Meldung der Nichtkonformität, Ursachenanalyse, Korrekturmaßnahmen und Nachbearbeitung/Neuproduktion. Dank der geografischen Nähe werden Ersatzteile innerhalb weniger Tage bereitgestellt.
Muss ich den Lieferanten in der Türkei besuchen?
Das ist nicht zwingend erforderlich; virtuelle Werksbesichtigungen und digitale Audits sind gängige Praxis. Ein eintägiger Besuch, der von Deutschland aus mit einem dreistündigen Flug erreichbar ist, ist jedoch für langfristige Partnerschaften von großem Wert.
Fazit
Die Vergabe von CNC-Lohnfertigungsaufträgen von Deutschland in die Türkei ist ein Prozess, der sich dank korrekter Dokumentation, klarer Geschäftsbedingungen und der Musterfreigabe nicht von der lokalen Beschaffung unterscheidet. Senden Sie uns Ihre technischen Zeichnungen, und Sie erhalten innerhalb von 24 Stunden ein Angebot sowie eine Eignungsprüfung für die Fertigung.



