Spanien ist Europas zweitgrößter Automobilproduzent, hat eine starke Werkzeugmaschinen- (Baskenland) und Bahnindustrie und gehört im Wind- und Solarsektor zu den Weltmarktführern. Diese Industrie wendet sich für das Gleichgewicht von Kapazität und Kosten der Türkei zu. Unser Beitrag zu den Vorteilen für Spanien hat die Gründe erläutert; dieser Beitrag zeigt die Umsetzung Schritt für Schritt.

Schritt 1: Die richtigen Teile auswählen

Die Zerspanungskapazität in Spanien ist besonders im Baskenland und in Katalonien stark; die Gruppen, bei denen die Vergabe in die Türkei am sinnvollsten ist, sind Drehteile, Langdrehteile, Aluminium-Frästeile, Edelstahlteile und mittlere Serien, die die eigene Kapazität binden. Zulieferer der Wind- und Solarausrüstung (Tracker-Antriebsteile, Turbinen-Hilfssystemteile) und Bahnkomponenten sind Profile, in denen die Türkei stark ist; unser Beitrag zum Energiesektor gibt Details.

Schritt 2: Technische Dokumentation vorbereiten

Spanische Zeichnungen basieren auf UNE-EN-Normen (ISO-kompatibel); türkische Lieferanten lesen sie problemlos. Zu beachten: Übersetzung spanischer Hinweise ins Englische (acabado superficial → Oberflächenbehandlung, tratamiento térmico → Wärmebehandlung, tolerancia general → Allgemeintoleranz), Werkstoffangabe mit EN-Nummer (C45 statt alter UNE-Codes wie F-1140), Angabe der Beschichtungs- und Dokumentationserwartung. Dateipaket: STEP + PDF + Stückzahl/Jahresprognose. Unsere Zeichnungs-Checkliste zeigt die Lücken.

Schritt 3: RFQ und Angebotsvergleich

Senden Sie dasselbe Paket an 2–3 türkische Lieferanten; Euro-Angebote kommen in 24–72 Stunden. Vergleichen Sie die Angebote mit gleicher Incoterm-Klausel (FCA Istanbul oder DAP Barcelona/Bilbao) und gleichem Umfang. Gegenüber spanischen Preisen sind 20–35 % bei Drehteilen und 25–40 % bei Langdrehteilen typisch; da Spaniens eigene Kosten unter denen Deutschlands liegen, ist der Unterschied nicht so groß wie in Deutschland. Unser RFQ-Leitfaden hilft.

Schritt 4: Lieferanten prüfen

Ein Direktflug von Madrid oder Barcelona nach Istanbul dauert 3,5–4 Stunden; ein zweitägiger Besuch ist praktikabel. Alternativ ein Video-Audit: Maschinenpark, Messraum, Kalibrierung, Referenzteile. Hinterfragen Sie mit unserer 15-Fragen-Liste Dokumente, Exporterfahrung und Kapazität.

Schritt 5: Muster und Messprotokoll

1–5 Muster werden mit gestempelter Zeichnung und Messprotokoll geliefert; bei Automobilprojekten wird die PPAP-Stufe von Anfang an festgelegt. Spanische Automobilzulieferer (Lieferanten von SEAT, Renault, Ford, Stellantis) sind an die IATF-Kultur gewöhnt; bestätigen Sie, dass der Lieferant ein PPAP-Paket erstellen kann. Muster sind per Kurier in 3–4 Tagen in Spanien.

Schritt 6: Zoll und Steuer

  • A.TR: Dank der Zollunion sind Industrieerzeugnisse zollfrei; der Lieferant stellt die A.TR aus. Unser A.TR-Beitrag gibt Details.
  • IVA: Bei der Einfuhr fallen 21 % IVA an; das IVA-pflichtige Unternehmen verrechnet sie in der Erklärung. Für große Importeure beseitigt das Regime „IVA diferido" (aufgeschobene IVA) den Liquiditätsabfluss vollständig; klären Sie das mit Ihrem Steuerberater.
  • EORI: Eine spanische EORI (ES + NIF) ist in der Zollanmeldung erforderlich.
  • Anmeldung: Der Zollagent des Spediteurs (agente de aduanas) gibt die Einfuhranmeldung ab; Dokumente: Rechnung, Packliste, A.TR, CMR oder Konnossement.
  • Intrastat: Nicht erforderlich, da die Türkei außerhalb der EU liegt.

Schritt 7: Logistik

Spanien ist von der Türkei auf der Straße weit entfernt (Istanbul–Barcelona ~3.000 km, Bilbao ~3.500 km); es gibt zwei Hauptoptionen:

  • Straße: Balkan – Österreich/Italien – Frankreich – Spanien; Komplettladung 5–7 Tage, Sammelgut 7–10 Tage. Sammelgut 200–320 € pro Palette.
  • Ro-Ro + Straße: Türkei (Pendik/Çeşme) – Triest Ro-Ro (2–3 Tage) + Straße Italien–Frankreich–Spanien (2–3 Tage); insgesamt 5–7 Tage. Alternative: Die Ro-Ro-Linie Sète (Frankreich) liegt einen Tag von Barcelona entfernt.
  • See: Container Istanbul/Izmir – Barcelona/Valencia, 7–12 Tage; bei großen Partien wirtschaftlich.
  • Luft: 2–3 Tage nach Madrid und Barcelona; für Muster und Eilteile.

Die Laufzeiten sind in unserem Logistikbeitrag detailliert.

Schritt 8: Zahlung

Beim ersten Auftrag 30–50 % Anzahlung + Rest vor Versand; in einer regelmäßigen Beziehung 30–60 Tage Ziel. Die in Spanien verbreiteten 60–90 Tage Ziel und die Praxis des „pagaré" (Wechsel) sind für türkische Lieferanten nicht üblich; eine SEPA-Überweisung in Euro kommt in 1–2 Tagen an. Unser Beitrag zu Zahlungsbedingungen erläutert die Optionen.

Schritt 9: Kommunikation

In türkischen Exportbetrieben ist Englisch Standard; Spanisch ist selten. Das Englischniveau in spanischen Engineering-Teams variiert; technische Kommunikation schriftlich und mit Skizzen/Zeichnungen zu führen, verhindert Missverständnisse. Der Zeitunterschied beträgt 1–2 Stunden (Sommer/Winter); berücksichtigen Sie in der Planung, dass die Mittagspause in Spanien spät liegt (14:00–16:00). Benennen Sie einen technischen und einen kaufmännischen Ansprechpartner.

Schritt 10: Serie und Kontinuität

Nach der ersten Serienpartie richten Sie einen Rahmenvertrag ein (Jahresprognose, Preisgültigkeit, Abrufhäufigkeit); Aufbewahrung von Programmen und Vorrichtungen, Änderungsprozedur und OTD/PPM-Messung sollten schriftlich festgelegt sein. Monatliche konsolidierte Lieferungen und Sicherheitsbestand im Spediteurlager in Spanien beseitigen die Wirkung der langen Straßenroute.

Spanienspezifische Hinweise

  • Baskisches Werkzeugmaschinencluster: Achse Elgoibar–Bilbao; für mittlere bis große Drehteile und geschweißt-bearbeitete Baugruppen ist die Türkei eine geeignete Quelle.
  • Automobil: IATF-disziplinierte türkische Lieferanten für Tier-2/3 in Katalonien, Valencia, Aragonien und Kastilien; siehe unseren Beitrag zum Cluster Bursa.
  • Erneuerbare Energien: Hochvolumige Dreh-/Langdrehteile für Tracker- und Turbinenzulieferer; das stärkste Profil der Türkei.
  • Bahn: Erwartung von EN-15085-Schweißen und Werkstoffrückverfolgbarkeit für CAF, Talgo und ihre Lieferanten; bei bearbeiteten Teilen ist das 3.1-Zeugnis Standard.
  • Ferienzeiten: Im August verlangsamt sich die Produktion in Spanien; in der Türkei sind die Feiertage Ramadan- und Opferfest (insgesamt 1–2 Wochen pro Jahr) einzuplanen.

Beispielzeitplan

Der erste Auftrag eines Landmaschinenherstellers in Zaragoza läuft typischerweise so: Woche 1 RFQ und Angebot; Woche 2 Video-Audit und Musterbestellung; Woche 3–5 Musterfertigung, Messprotokoll und Kurierlieferung; Woche 6 Musterfreigabe und Serienauftrag; Woche 8–10 Serienfertigung; Woche 11–12 Lieferung per Ro-Ro + Lkw nach Spanien. Insgesamt etwa drei Monate; bei Wiederholaufträgen 4–6 Wochen. Nach Freigabe des ersten Teils werden die weiteren Teile der Stückliste schrittweise hinzugefügt.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es Zoll bei der Einfuhr aus der Türkei?

Bei Industrieerzeugnissen mit A.TR 0 %; es fallen nur 21 % IVA an, die verrechnet werden (mit IVA diferido entfällt auch der Liquiditätsabfluss).

Wie lang ist die Lieferzeit nach Spanien?

Straße oder Ro-Ro+Straße 5–7 Tage, Sammelgut 7–10 Tage, See 7–12 Tage, Luft 2–3 Tage. Die Fertigungszeit von 2–4 Wochen kommt hinzu.

Spricht der Lieferant Spanisch?

Meist nein; technische Kommunikation auf Englisch ist Standard. Schriftliche Kommunikation mit Zeichnungen und Skizzen reicht aus.

Sind 90 Tage Zahlungsziel möglich?

Bei Erstaufträgen nein; in einer regelmäßigen Beziehung sind 30–60 Tage üblich, 90 Tage können ausnahmsweise und mit Exportkreditversicherung möglich sein.

Fazit

Für spanische Unternehmen ist die Türkei mit A.TR zollfrei, mit verrechenbarer IVA und einer Logistik von 5–7 Tagen erreichbar; in Automobil, erneuerbaren Energien und Maschinenbau-Zulieferung sind 20–40 % Einsparung realistisch. Um Ihren ersten Auftrag zu testen, senden Sie Ihre Zeichnungen über unser Angebotsformular; innerhalb von 24 Stunden erhalten Sie ein Euro-Angebot mit Option DAP Spanien.