Die Vorteile, die die Türkei österreichischen Unternehmen bietet, kennen Sie: 30–45 % Kostenvorteil, Zollunion, 3–5 Tage Lkw-Transport und deutschsprachige technische Ansprechpartner. Dieser Beitrag erklärt Schritt für Schritt, wie österreichische Unternehmen – von Linz bis Graz, von Wien bis Vorarlberg – die erste Bestellung in der Praxis aufgeben.

Schritt 1: Technische Unterlagen vorbereiten

Österreichische Zeichnungen werden nach ÖNORM EN ISO / DIN erstellt und in der Türkei problemlos gelesen; deutsche Vermerke werden in exportorientierten türkischen Betrieben verstanden, eine englische Entsprechung kritischer Vermerke verhindert jedoch Fehler. Das ideale Paket:

  • STEP (AP214) 3D-Modell + technische Zeichnung als PDF; Revision (Index) muss übereinstimmen.
  • Werkstoff mit Werkstoffnummer oder EN-Kurzname (1.0503 / C45E, 1.7225 / 42CrMo4, 1.4404, EN AW-6082, CW614N). Neben Markennamen wie Böhler die Normgüte angeben.
  • Allgemeintoleranz (ISO 2768-mK) im Schriftfeld; Form- und Lagetoleranzen mit Bezügen.
  • Oberflächenrauheit (Rz ist in Österreich üblich; zusätzlich den Ra-Wert anzugeben erleichtert die Arbeit), Kantenbrechen, Wärmebehandlung, Beschichtung.
  • Jahresstückzahl, Losgröße, Erstbestellmenge und Wunschtermin.
  • Dokumentationsanforderungen: Messprotokoll, Zeugnis nach EN 10204 3.1, EMPB, bei Bedarf PPAP/VDA 2.

Schritt 2: Angebote einholen und vergleichen

Senden Sie die Anfrage an 2–3 türkische Lieferanten; vergleichen Sie die Angebote Position für Position: Stückpreis (Mengenstaffel), Rüstkosten/Programmierung, Zeugnis, Messprotokoll, Verpackung, Incoterm und Lieferzeit. Das in Österreich übliche Skonto ist in türkischen Angeboten nicht Standard; wenn gewünscht, in der Anfrage angeben. Ein Lieferant, der mit dem Angebot DFM-/Toleranzempfehlungen sendet, zeigt Prozessdisziplin. Zur Methode siehe unseren Anfrage-Leitfaden.

Schritt 3: Kommerzielle Bedingungen klären

Incoterms

FCA Istanbul (Ihr eigener Spediteur holt ab; wirtschaftlich für Abnehmer mit hohem Volumen) oder DAP (der türkische Lieferant liefert bis zu Ihrem Tor; Einfuhranmeldung und Umsatzsteuer liegen bei Ihnen; einfach für Erstbestellungen). EXW vermeiden. Details in unserem Incoterms-Leitfaden.

Zahlung

In Österreich sind 30 Tage netto (oder 14 Tage 2 % Skonto) üblich. Türkische Lieferanten arbeiten im Auslandsgeschäft bei Erstbestellungen mit Teilanzahlung (30–50 %) + Restzahlung vor Versand, in laufenden Beziehungen mit 30 Tagen offenem Ziel. SEPA-/SWIFT-Überweisung in Euro ist Standard (türkische Banken liegen außerhalb des SEPA-Raums; die Überweisung dauert 1–2 Arbeitstage).

Vertrag und Vertraulichkeit

Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) und Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV) auf Deutsch oder Englisch genügen; türkische Exporteure sind an beide Sprachen gewöhnt. Anwendbares Recht und Gerichtsstand sollten festgelegt werden.

Schritt 4: Muster und Erstmusterfreigabe (EMPB)

Fordern Sie bei der Erstbestellung 1–5 Musterteile und einen Erstmusterprüfbericht (EMPB) anhand einer Stempelzeichnung an; für Automobilzulieferer eine PPF-/PPAP-Dokumentation im VDA-2-Format, für den allgemeinen Maschinenbau reicht der EMPB. Prüfen Sie den Bericht mit eigener Messung; nach der Freigabe beginnt die Serie. Zum Ablauf siehe unseren FAI-/EMPB-Leitfaden und unseren PPAP-Beitrag.

Schritt 5: Logistik, Zoll und Einfuhr

  • Lkw: von Istanbul nach Wien, Linz oder Graz über Ungarn oder Slowenien 3–5 Arbeitstage Haus zu Haus; auf der Relation Türkei–Österreich gibt es wöchentlich zahlreiche Sammelgutverkehre.
  • Luftfracht: Istanbul–Wien 1–2 Tage; Expresskurier für kleine Muster 2–3 Tage.
  • Zoll: Die Teile gelangen mit der Warenverkehrsbescheinigung A.TR zollfrei ins Land; eine Ursprungsregel ist nicht erforderlich. Unser A.TR-Leitfaden enthält die Dokumentdetails.
  • Einfuhrumsatzsteuer (EUSt): Bei der Einfuhr entstehen 20 % österreichische Umsatzsteuer. Umsatzsteuerpflichtige Unternehmen können die EUSt statt am Zoll zu zahlen auf ihr Steuerkonto buchen lassen und in der Umsatzsteuervoranmeldung abziehen (Verfahren nach § 26 Abs. 3 UStG); es genügt, dem Spediteur die Anweisung „EUSt über Steuerkonto“ zu geben. So entsteht kein Geldabfluss.
  • Anmeldung: Der Spediteur gibt die Einfuhranmeldung mit Ihrer EORI-Nummer ab; Handelsrechnung, Packliste, A.TR und CMR genügen.

Schritt 6: Serienlieferung und kontinuierliche Verbesserung

Rahmenvertrag + Abrufe sind üblich; türkische Lieferanten passen sich monatlichen oder wöchentlichen Abrufen an. Messprotokoll und 3.1-Zeugnis liegen jedem Los bei; Bestell- und Teilenummern stimmen auf dem Lieferschein überein. Nach den ersten 2–3 Losen können Liefertreue und PPM-Daten für die Lieferantenbewertung bereitgestellt werden. Für die jährliche Preisanpassung sollte eine werkstoffindexierte Regel festgelegt werden.

Häufige Fehler

  • Die EUSt am Zoll bar bezahlen; die Verlagerung über das Steuerkonto schont die Liquidität.
  • Nur Rz angeben und eine Verwechslung mit Ra beim Lieferanten riskieren; den Parameter ausdrücklich nennen.
  • Den Werkstoff nur mit Markennamen angeben (z. B. nur „Böhler M303“); die Normgüte ergänzen.
  • Die Skontoerwartung erst nach dem Angebot ansprechen; in der Anfrage angeben.
  • Die Serienfreigabe ohne Prüfung des EMPB erteilen; mit eigener Messung vergleichen.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich technische Zeichnungen auf Deutsch senden?

Ja; deutsche Fachbegriffe sind in exportorientierten türkischen Betrieben bekannt. Eine englische Entsprechung kritischer Vermerke wird dennoch empfohlen.

Wie viel Zeit sollte ich für die erste Bestellung einplanen?

Angebot 1–2 Tage, Muster 1–3 Wochen, Serie nach Freigabe 3–5 Wochen, Transport 3–5 Tage: Das erste Serienlos liegt typischerweise nach 6–9 Wochen bei Ihnen.

Wie läuft eine Reklamation ab?

Meldung mit Foto- und Messnachweis, 8D-Bericht, Nachfertigung oder Gutschrift; schriftlich in der QSV festgelegt. Per Lkw ist eine Nachlieferung in 3–5 Tagen möglich.

Muss ich den Lieferanten in der Türkei besuchen?

Nicht zwingend; mit dem 2,5-stündigen Direktflug Wien–Istanbul ist ein Tagesaudit möglich. Ein Besuch vor der ersten Serie oder einmal jährlich stärkt die Beziehung.

Fazit

CNC-Lohnfertigung von Österreich in die Türkei zu vergeben ist ein planbarer Prozess aus dem richtigen Dateipaket, positionsweisem Angebot, Musterfreigabe mit EMPB und einer durch A.TR + EUSt-Verlagerung vereinfachten Einfuhr. Senden Sie Ihre technischen Zeichnungen und Stückzahlen über unser Angebotsformular; Sie erhalten innerhalb von 24 Stunden ein positionsweise kalkuliertes Angebot in Euro. Die Prozessschritte finden Sie auf unserer Seite So arbeiten wir.